Der Hanuta-Hack – der goldene Alb 2017

Zieht der Frühling ins Land geraten Motorsägen außer Rand und Band.

Birke-Kiefer glückselig vereint geben den Götzenkönig nur unter Kettengewalt frei – das Kultische ist immer schon ein brutales Brot gewesen.

Jahrelang getrocknet, hat das Material der Treiben der Verbrennungsmaschine wenig entgegen zu setzen, langsam kämpft sich die Skulptur ins Freie.

Der Götzenkönig muss wetterfest sein, darum wurde seine ganze Oberfläche mit einer Propangas- Lötlampe in Kohlenstoff verwandelt.

Holzkohle verrotet langsam – sehr langsam. Gut poliert ist die halbe Vergoldungsmiete, der Leim soll ja auch gleichmäßig auftragbar sein.

In Verbinung mit Schlagmetall und Bootslack wird die Holzskulptur zum generationenübergreifenden Kunstwerk.

Blattgold oder Schlagmetall, beide Versuche enden im Desaster.

Das Gold vermittelt den Eindruck einer abgefuckten Mozartkugel und das Schlagmetall kommt auch rüber wie das Katzengold in Erdogans, Putins oder Trumps Billigluxus-Toiletten.

Auf der Suche nach dem ultimativen Goldklumpen, brach ich nicht auf nach Südamerika oder Afrika, wie unsere Vorfahren aus der schlechten-alten Zeit.

Nein, ich klapperte die Läden ab nach brauchbaren Goldfolien.

Von der Raumschiffisolierung bis zur Kälteschutzdecke, vom Messingblech bis zum Goldlack reichte meine Reise durch das Reich des zeitgenössischen Goldhypes.

Aber alle Möglichkeiten brachten nicht den gewünschten Erfolg, der Götzenkönig sah aus wie ein Plastikbarockbilderahmen aus dem Billigramschladen.

Bis zu dem Augenblick, als vor lauter Frust ein wenig Schokolade meine Stimmung aufhellen sollte.

Kaum war das Hanuta ausgepackt und lustvoll abgebissen, da fiel mir die Verpackungsorgie der überteuerten Zuckerbombe in mein frustriertes Künstlerauge.

Wie es so die Art des Konsumismus ist, wird jede Schokowaffel mit einer Art Phalanx von Verpackungsmaterial geschützt. Der Konsument, nicht zu Verwechslen mit dem Kosmonauten, kämpft sich durch die Reihen der Umhüllungen um den Kern zu erreichen. Jede schicht der Verpackung entzaubert das Produkt ein wenig mehr und am Ende hat man anstatt einem goldenen Barren eine braune Waffel.

Inhaltlich kam mir dieser Betrug sehr gelegen, ganz abgesehen von der Qualität der Waffelverpackung.

Ähnlich wie mit Schlagmetall wurde der goldene Alb in mühevoller Kleinarbeit tagelang vergoldet (verhanutat).

Der Götzenkönig glitzert nun wie ein massiver Goldblock im Ausstellungsbetrieb zu Potsdam.

Hack die Waffel – ist meine Losung für März 2017.

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