Kunzt und Intervention-der Nichtraum zu Berlin

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Bunker hinter dem ehemaligen Kunsthaus Tacheles im Frühjahr 1998…… Ausstellung, Aktionen, Interventionen fanden in den Jahren 1995-2012 in der kleinsten und sichersten Galerie der Welt statt. Der Nichtraum für die Kunzt gab in den 10er Jahren  Obdachlosen und missbrauchten Büchern ein meterdickes Stahlbetondach.

IMG_2368 IMG_2369Heute, 2013, ist die Kunztanlage von der HSH Nordbank und ihren Anwaltsheeren zusgeschweißt und abgezäunt, aber B25 16er Körnungs 2cm armierter Stahlbeton ist geduldig.

 

Nichtraum für die Kunst – der Bunker in Berlin seit 1995

In den Jahren 1994/95 wurde in Berlin Mitte mit Unterstützung der Kulturverwaltung (ca.8000,- DM) und mit Hilfe von Investoren, die sich um die Brache am Tacheles bemüht haben (ca. 25m3 Fundamentbeton) die kleinste und sicherste Galerie der Welt errichtet.

Der „Nichtraum für die Kunst“ dient seit 18 Jahren als Gelerie, Leitstand für Teleroboter, Performancespace, Obdachlosenunterstand, Hassobjekt, Neidobjekt und Investorenverwirrspiel. Seit ca. 2 Jahren ist die Anlage nicht mehr öffentlich zugänglich, weil die „Eigentümer“ des Areals im Spekulations,- und Finanzkrisensumpf unserer Gegenwart an Raumverknappung und Rechtsstaatsmißbrauch Millionen verdienen wollen.

Der Nichtraum als Skulptur und Kunstwerk muss wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Banken, Spekulanten, Winkeladvokaten und Elitenphantasten dürfen nicht über die Kultur und Kunst einer Stadt verfügen.

Hier der Katalogtext zu Planung, Bau und Eröffnun des Nichtraumes in den Jahren 1994 bis 1995.

Zitat/…
Ausgehend von der Theorie das „Alles“ beginnt zu „verschwinden“ infolge ueberhoehter Geschwindigkeit, setzt das Projekt MANOEVER ’95 die Reihe der NurSchrec! Beton und MASCHINENBAUBEMÜHNUNGEN fort. Da sich die Verhaeltnisse in Richtung „Barbarei“ und „elektronisches Mittelalter“ verschieben, ist dieser Zyklus ein kunstmilitaerisches Projekt. Nicht Gewalt und Zerstoerung, abstrahiert und damit aesthetisiert, stehen im Mittelpunkt, sondern die Gewalt- und Zerstoerungsmaschinerie als kreatives Element in unserer Geschichte.

Following the theory that „everything disappears“ – as a result of the general high-speed-development, „Manoever 95“ continues the Nur Schrec! projects using concrete and machinery. Because our society develops in the direction of an „electronic middleage“, „Manöver 95“ is a military style art project. Neither violence nor destruction – whether used in an abstract nor aesthetic way – are our main interest, rather we are concerned with the machinery of violence and destruction as a „creative“ element of history.

Die großen Kriege als (Horror)“Innovationsschübe“ in Richtung Mensch/Maschine.

The great wars can be seen as times of „great“ invention linking man and machine.

Neue Qualitaet ergibt sich durch die Digitalisierung unserer Welt. Computerisierung und Simulationstechnik, als erstes von den Militaers genutzt, spielen nun auch in der scheinbar zivilen Welt eine bestimmende Rolle. Der Krieg der Gefuehle gegen Scheck, Kredit oder andere Magnetkartenueberwachungssysteme ist bereits verloren. Der Einzelne wird inventiert und ueberwacht als Teil des „Depots/Prozesses“.

In a digitized world a new quality of life develops. Computers and simulationtechnics – first used by military forces – are now begining to rule the so called „civilized“ world. The war between individual human beings and a technological world controlled by cheques, credit cards and video surveillance is already lost.

Sozialisation passiert seit dem 2. Weltkrieg immer umfassender über elektronische Systeme. Wenn ein Mensch vom Radio, Fernsehen, Computer sein/ihr Verhalten lernt, ist er/sie maschinell, „24 Bilder per Sekunde, Zeitlupe oder Superheld“. Die Erinnerung an Freude und Leid geht nur bis zum Rand der eigenen Wahrnehmung, andere haben eher den Status der an- und ausschaltbaren Bildhaftigkeit. Gewalt als „ausschalten“ und nicht als radikale Form der Konfliktloesung ist eine neue Qualitaet.

Since WW II our introduction to society happens more and more through electronic devices. Human beings learn social behaviour through radio, TV, Computers and in a way become part of the machine – „24 frames per second, slow motion or superhero“. Our recognition of happiness or pain is so limited by our capacity to perceive. The vast majority of our information consists of images that can be turned on and off at any time.

Als konkrete Form dieser Erscheinungen bauen Tacheleskuenstler und NurSchrec! einen unsichtbaren Tiefbunker als Kommandostand für kuenstliche Wesen, die an der Oberflaeche agieren. Voellig nicht sichtbar, via Videoueberwachung alles sehend sitzt das Kuenstlerteam im Tiefbunker und haelt mittles Roboter das Publikum in Schach.

As an answer to these developments, artists from the Tacheles Arthouse and Nur Schrec! are building an invisible underground bunker serving as a command-platform controlling artifical forms of life acting on the surface, completely invisible, but able to watch everything on the surface using video-surveillance devices. The artists sit inside the bunker controlling the audience by the use of robots.

MR im Juli 94

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Der Nichtraum als oeffentlich(Service)-buerokratisch nicht katalogisiertes und somit nicht existentes Medium der Subkultur, die Geburtsstaette von Kreativitaet und Systemkritik, wird mit dem Bunker als unveraenderlich-statisches Elemtent unverwundbar. Unsichtbare Tiefbunker als Nichtraeume für die Kunst, egal ob die Erde bebt oder der Wind aus der falschen Richtung blaest, diese Raeume sind sicher. In den Grund eingelassen ermoeglichen sie eine Vielzahl von Verwendungsmoeglichkeiten. Vom oben angefuehrten Leitstand für „Ferngesteuertes aller Art“ bis zum konzentrierten Galeriebetrieb (1 BetrachterInnen max.).

The „NonRoom“ as an „officially non-existent“ space for a subculture which gives birth to creativity critical of the system provides a variety of useful possibilities ranging from a commando-platform for remote controlled robots to a small gallery showing 1 painting to 1 viewer at a time.

Wir bereiten damit die Absetzbewegung in die „Verschwundenheit“ vor, um nicht für das „Sehen“ erkennbar trotzdem „da“ zu sein. Nur eine Kette von derartigen Anlagen ergibt mittelfristig Sinn, da es sich nicht um einen „Abmauereffekt“ handeln soll, sondern um ein verbindendes Projekt.

We are searching for ways of disapearing from official observation so as to become invisible to the authorities. Therefore we are planing to build a whole chain of invisible bunkers – connected together – this being the only thing that makes long term sense. You are invited to set up your own bunker and get connected.

Der Nichtraum als Versuch einer Kritik unseres „zivilisierten“ Lebensmodells:

Der Betonkörper ist eine vergrabene Skulptur, die auch die Ausführenden selbst nur in Planung zu Gesicht bekommen. Niemand wird dieses Werk jemals in einer freistehenden Außenansicht betrachten können.

1.Die isolierte Lebensform Kleinfamilie, die Ihren signifikantesten Lebensausdruck in der Wohnung als verkabelten Konsumbunker findet; die Pathologien, die diese Bunkerbesatzungen ausbilden, qualifizieren den Haushalt als Durchlaufstation-Konsumgüter rein Dreck und Müll heraus.

2:Städtebau als kurzfristige Profitoptimierung oder Prestigeprojekt (Hauptstadt)?! Wir behaupten ihn als in den Siebzigern gescheiterten Versuch. Die Unerträglichkeit der Postmodernen Architektur unterstreicht dies Scheitern im Bereich der Form.

Der Nichtraum Kunst stellt eine konzentrierte Galeriesituation dar. 6m3 ummauerter Raum, Platz für 1Bild und einen Betrachter/In. Via Quicktimeformat und Internet mit dem größten derzeit möglichen Geschwindigkeitsvolumen ausgerüstet. In die Erde eingelassen, fast unsichtbar, eine begehbare Skulptur.

Stahlbetonstillstand meets Datenlichtgeschwindigkeit ein philosophischer Unfall.

MR95

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